Clement Janinet – vl, nyckelharp, comp
Arve Henriksen – tr, fx
Ambre Vuillermoz – acc
Robert Lucaciu – cb
Was bedeutet „europäische Musik“ heute, jenseits von Pathos und Folklore?
Clément Janinet gibt darauf keine programmatische, sondern eine klingende Antwort. Mit Garden of Silence versammelt der französische Geiger und Komponist eines der spannendsten trans-
nationalen Quartette der aktuellen Szene: Arve Henriksen (NOR) an der Trompete, Ambre Vuillermoz
(FRA) am Akkordeon und Robert Lucaciu (GER) am Kontrabass. Dieses franco-europäische Ensemble
steht exemplarisch für grenzüberschreitende künstlerische Fantasie – sensibel, offen und stilistisch unab-
hängig.
Janinet zählt zu den markantesten jungen Stimmen Frankreichs. Tief im Jazz verwurzelt, interessiert ihn
weniger das Idiom als dessen Freiheit. Geprägt von repetitiver Musik ebenso wie von europäischer und
afrikanischer Tradition, verbindet er in seinen Projekten unterschiedliche ästhetische Welten. Garden of
Silence knüpft an ältere Projekte wie Ornette Under the Repetitive Skies, La Litanie des Cimes oder Sok-
ou! an und führt deren interkulturellen Ansatz konsequent weiter.
Inspiriert unter anderem von Dave Douglas’ legendärem Album Charms of the Night Sky, denkt das Quar-
tett Kammermusik neu. Monteverdi, Buxtehude und Dowland begegnen schwedischer Nyckelharpa-Tra-
dition, barocke Linien reiben sich an mikrotonalen Schichtungen, freie Improvisation trifft auf repetitive
Strukturen und Tänze aus mündlicher Überlieferung. Dabei geht es nicht um stilistische Zitate, sondern
um Dialog. Das Ergebnis ist organische Verflechtung und eine Musik, die Grenzen nicht verwischt, son-
dern in Resonanz setzt.
Arve Henriksen bringt seinen unverwechselbaren, atmenden Trompetenton ein, der oft eher wie eine fer-
ne Stimme als wie ein Blechblasinstrument klingt. Clément Janinets Violine bildet das bewegliche Zen-
trum des Ensembles – mal kantabel und barock anmutend, mal rau und repetitiv pulsierend, stets suchend
zwischen Struktur und freier Geste. Ambre Vuillermoz erweitert mit dem Akkordeon das Spektrum zwi-
schen sakraler Schwere und tänzerischer Leichtigkeit. Robert Lucaciu verankert das Geschehen mit ei-
nem Kontrabassspiel, das gleichermaßen strukturiert und improvisatorisch offen bleibt. Live entfaltet die-
ses musikalische Projekt so eine konzentrierte Intensität: transparent, spannungsreich und mit einem star-
ken kammermusikalischen Puls.
Garden of Silence ist kein nostalgischer Blick auf Europa, sondern eine zeitgenössische klangliche Veror-
tung – vielschichtig, durchlässig und zutiefst lebendig.
